Dosierung des Begehrens
Einen großen Teil unserer Ängste schieben wir auf den technischen Aspekt der menschlichen Aktivität. Daraus resultiert ein Konsumverhalten, das uns in einen Strudel voller Bedürfnisse zieht und uns zu einem irrwitzigen Lebensrhythmus zwingt, der Entfremdungen und Neurosen mit sich bringt.
Wenn wir, anstatt den Fortschritt zu verdammen, prüfen würden, wie wir auf seine Auswirkungen reagieren, könnten wir feststellen, dass der Mensch die Freiheit hat, sie mit Gleichmut oder mit Reaktionen aufzunehmen. Im ersten Fall wird er seinen inneren Frieden behalten; im zweiten wird er zu einer atemlosen Jagd getrieben, die Produkte des Fortschritts zu erwerben.
Nun, … kümmern wir uns vor allem darum, unsere Reaktionen ins Gleichgewicht zu bringen. So können wir, »Kinder des Begehrens«, einen völlig neuen Bewusstseinsstandpunkt einnehmen, der - auch gegenüber einem Großteil unserer Wünsche - den richtigen Platz einnimmt.
In der Tat werden wir von Begierden und Wünschen jeder Art und Größe konditioniert. Sie lenken unsere Energien und fesseln uns an Konflikt, Leid und Unvollkommenheit. Das Problem des Begehrens wurde bereits in allen Philosophien behandelt.
Raphael bietet eine Lösung an, kraftvoll, klar und vor allem in Hinblick auf die Absicht sich zu verwirklichen. Dabei weist er auf den Zustand des Befreiten hin, der außerhalb von Zuneigung und Abneigung steht und durch nichts bewegt wird, was ihm »das Leben auf diesem Planeten anbieten kann«.
Da wir keine Erleuchteten sind, verstehen wir nicht, dass es nicht unsere Essenz (der atman) ist, die etwas begehrt, sondern unser Ich, das die Bedürfnisse erzeugt. Und da wir weder die Ursachen des Begehrens beseitigen noch unsere Verstandesbewegungen anhalten können, in denen der anregende Prozess seinen Ursprung hat, besteht die einzige Lösung darin, das Begehren zu dosieren: "in seiner rechten Dosierung liegt die wahre Tugend eines Volkes" (sutra 87), um es anschließend - wenn wir das Begehren verstanden haben - aufzulösen (sutra 19, 34, 69, 87-88). [Aus der »Einführung« von Marina Zanelli in Die Quellen des Lebens.]
© Asram Vidya März 2026
siehe Raphael, Die Quellen des Lebens
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